Erschienen:    18.02.2013 / SZR / VK_LOK / CLOK15_3    
Ressort:    Lokales
Textname:    vk.saarbahn.sb1802.ART
Verfasser:    Von SZ-Redakteur

Die Saarbahn soll bis Forbach fahren
Eurodistrict-Präsident präsentiert drei mögliche Strecken

Die Vision soll Wirklichkeit werden, die Saarbahn nach Forbach fahren. Eurodistrict-Präsident Gilbert Schuh präsentierte der SZ erstmals die Ergebnisse einer Studie. Er hofft auf Zuschüsse unter anderem von der Europäischen Union, Berlin und Paris.

Von SZ-Redakteur Markus Saeftel

Regionalverband. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit soll in diesem Jahr vor allem in der Verkehrspolitik entscheidend vorankommen. „Die Saarbahn-Strecke nach Forbach wäre eine weitere Etappe“, sagt Gilbert Schuh, Bürgermeister der französischen Gemeinde Morsbach und gleichzeitig Präsident des Eurodistricts SaarMoselle. Bisher war diese Strecke nur eine Vision. Schuh präsentierte im SZ-Gespräch nun die Ergebnisse einer Studie.






Danach sind drei Strecken im Gespräch: Die billigste Variante wäre, die Strecken der Deutschen Bahn und der französischen SNCF zu nutzen. Die Saarbahn wäre dann in zwölf Minuten vom Saarbrücker Hauptbahnhof am Forbacher Bahnhof, sagt Schuh. Kosten: 20 bis 30 Millionen Euro.

Denn für die Saarbahn müsste ein neues Gleis gebaut werden, weil die anderen Gleise Bahn und SNCF bräuchten, erklärt Schuh. Außerdem müssten fünf Haltestellen gebaut werden. Im 30-Minuten-Takt soll die Saarbahn künftig nach Forbach fahren.

Eine weitere Möglichkeit wäre, mit der Saarbahn-Trasse die Eurozone Forbach-Nord anzuschließen. Der Gemeindeverband Forbach unterstütze diesen Plan, erklärt Schuh. Hier wären die Fahrgäste von Saarbrücken aus 14 Minuten unterwegs. Auch hier sind fünf Haltestellen geplant. Diese Strecke würde 50 bis 60 Millionen Euro kosten.

Die dritte Variante ist die teuerste, würde aber nach Angaben des Eurodistrict-Präsidenten auch die meisten Fahrgäste bringen: eine neue Strecke, die durch das Deutschmühlental über die Goldene Bremm und Stiring-Wendel nach Forbach führen würde.

Diese Trasse auf der Route Nationale soll 70 bis 80 Millionen Euro kosten, acht Haltestellen seien hier denkbar, meint Schuh. Fahrzeit von Saarbrücken nach Forbach: 16 Minuten.

Im März soll nun die Versammlung des Eurodistricts entscheiden, wer den Zuschlag für eine Machbarkeitsstudie erhält, berichtet Schuh.

Die sei nötig, um zu klären, welche der Trassen wirtschaftlich machbar ist. Schuh drückt aufs Tempo: „Wir müssen uns noch in diesem Jahr entscheiden.“ Denn die neue Förderperiode des Interreg-Förderprogramms der Europäischen Union (EU) beginne 2014.

Neben der EU hofft er auf Zuschüsse von Bundesregierung, Saarland, dem Generalrat des Départements Moselle, dem Regionalrat Lothringen und der französischen Regierung. Demnächst wolle er mit Verkehrsminister Heiko Maas (SPD) über das Saarbahn-Projekt sprechen. Schuh ist optimistisch: „Der Eurodistrict soll große Projekte bewegen. Jetzt haben wir eins.“

Schuh fordert von der Landesregierung, den Eurodistrikt stärker finanziell zu unterstützen und mehr von den EU-Zuschüssen abzugeben, die das Saarland erhält. 2,2 Millionen Euro kann der Eurodistrict in diesem Jahr ausgeben, sagt Schuh.

Einerseits komme das Geld von sieben französischen Gemeindeverbänden in Lothringen und der Löwenanteil wegen der größeren Einwohnerzahl vom Regionalverband. Denn pro Einwohner fließen 80 Cent an den Eurodistrict. Daneben unterstützten aber auch die französische Regierung – auch in dem Metropolprojekt für die Region – und der Generalrat den Eurodistrict. Derzeit habe die französische Seite also ein Übergewicht bei den Finanzen, meint Schuh.

Er freut sich aber, dass sich das Saarland, der Generalrat und drei französische Gemeindeverbände mit insgesamt 330 000 Euro für die Buslinie MS 1 Saarbrücken-St. Avold einsetzen. Sie bezahlen nach Angaben Schuhs das Defizit der Buslinie: „Das ist ein wichtiges Symbol der Einigkeit.“

Das Unternehmen Baron hatte Alarm geschlagen, dass die Linie zu hohe Verluste einfahre. Nun soll es mehr Haltestellen, zum Beispiel bei ZF, geben und der Bus ab April öfter, auch abends und samstags fahren. Auch das sei ein großer Erfolg der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und des Eurodistricts: „Jeder muss seinen Egoismus zurückstellen. Das ist mit der MS 1 gelungen.“

30. Juli 2017 | 20:32 Uhr

Saarbahn-Weiterbau in der Diskussion
Saarbahn-Weiterbau kein Tabu mehr

Zwanzig Jahre nach dem Start kommt wieder Bewegung in das Projekt. Forbach soll besser angebunden werden.  


Von Thomas Sponticcia



Eröffnen macht Spaß. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz am 5. Oktober 2014 anlässlich der ersten Saarbahn-Fahrt nach Lebach. FOTO: Oliver Dietze



Saarbrücken  Schon vor dem Start der ersten Saarbahn-Verbindung im Jahr 1997, zunächst zwischen Saargemünd und der Saarbrücker-Ludwig­straße, ist die Euphorie groß. Die damals SPD-geführte Landesregierung lässt die damalige Stadtbahngesellschaft schon prüfen, ob diese auch die Bahnstrecke der Deutschen Bahn zwischen Saarbrücken und Merzig bedienen kann.  Doch daraus wird nichts. Der Anfangs-Euphorie weicht schnell Ernüchterung, weil sich alleine die Bauarbeiten bis Lebach auch wegen schlechter Organisation um viel Jahre verzögern und zudem die Kosten aus dem Ruder laufen.

Doch genau 20 Jahre nach dem Start kommt wieder Bewegung in das Projekt. Einen Weiterbau der Saarbahn als Linie 2 zwischen Forbach und der Innenstadt von Saarbrücken will selbst der Chef der Saarbahn-Gesellschaft, Peter Edlinger, inzwischen im Gespräch mit unserer Zeitung nicht mehr ausschließen. „Die Verbindung hat ohne Weiteres Charme. Aber es muss finanzierbar sein. Ich bin ein Verfechter dafür, dass die Region weiter zusammenwächst“, sagt Edlinger. Sowohl für Saarbrücken als auch für Forbach seien positive Effekte zu erwarten. Eine Studie des „Eurodistrict SaarMoselle“ geht von bis zu 5800 zusätzlichen Arbeitsplätzen alleine für Saarbrücken aus, wenn es die Saarbahn-Anbindung gibt. Die Studie spricht von einer „vielversprechenden Investition“. Doch nach Ansicht von Edlinger sind noch Hürden zu überwinden. Allein an Planungszeit inklusive der Beantragung von Fördermitteln, auch der EU, sowie Bauanträgen müsse man bis zu zehn Jahren rechnen.  Voraussetzung sei auch eine andere Aufteilung der Betriebsdefizite. Derzeit erbringen Saarbahn und Bus in Saarbrücken ein jährliches Defizit von 14 Millionen Euro. Die Saarbahn-Gesellschaft müsse wirtschaftlich arbeiten. Es müsse also eine andere Finanzierungsregelung her, möglichst in Absprache mit den Franzosen. Schon für die Nutzung des Streckenabschnittes zwischen der Landesgrenze und Saargemünd werden heute jährlich 200 000 Euro Gebühren fällig, wovon der französische Staat und die SNCF einen Teil übernehmen. Die Nutzung einer Bahntrasse von der Goldenen Bremm bis zum Bahnhof Forbach komme teurer. Dennoch sieht auch Edlinger Vorteile, besonders für Alt Saarbrücken, das sein Gesicht durch den Ausbau der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und mehr Wohnmöglichkeiten stark verändere und wohl zu den künftigen Gewinnern in der Landeshauptstadt gehöre.

Für eine solche Saarbahn-Verbindung werden zwei Varianten diskutiert. Die kostengünstigere für 130 Millionen Euro würde von Forbach aus entlang des Haupfriedhofes auf vorhandene Gleisen bis zur Josefsbrücke in Malstatt führen und dort in die bestehende Saarbahntrasse einmünden bis zum Hauptbahnhof. Die bevorzugte Variante würde 170 Millionen Euro kosten und einen größeren Neubauanteil erfordern. Diese Achse verläuft über die Metzer Straße, bindet das ZF-Werk und das Industriegebiet Süd an, verläuft durch das Deutschmühlental und wird entlang dem Calypso über das Betriebshofgelände und die Heuduckstraße über die Wilhelm-Heinrich-Brücke bis zur Johanniskirche gebaut. So könne man einen Rundkurs realisieren, der am Hauptbahnhof und ehemaligen Messegelände zurückführt nach Forbach. Grundlage sei ein erneutes Gutachten zur exakten Ermittlung der Betriebskosten. Über dieses Gutachten, das auch die Saarbahngesellschaft mit finanzieren will, steht die Entscheidung noch aus. Die Saarbahn sei bereit, sich an Baukosten zu beteiligen. Jetzt müssten auch die Franzosen und  das Land zeigen, ob eine Saarbahn-Anbindung zur Frankreich-Strategie gehört.  Auf der Verbindung Saargemünd-Lebach seien jährlich über 13 Millionen Nutzer unterwegs. „Wir sind sehr zufrieden“, so Edlinger. Sein Fazit: „Wenn es das Projekt nicht gäbe, müsste man es erfinden.“



Peter Edlinger, Chef der Saarbahn-Gesellschaft. FOTO: Iris Maurer

Foto alt FOTO: Rolf Ruppenthal / dpa


30. Juli 2017 | 20:32 Uhr

Kommentar

Weiterbau der Saarbahn nach Forbach macht Sinn



FOTO: Robby Lorenz / SZ

Gerade anlässlich der jüngsten Vorfälle rund um den Diesel wird wieder deutlich, wie wichtig auch der Ausbau eines funktionierenden öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) als Alternative zum Auto ist, auch im Autoland Saarland. Wer Menschen dazu bewegen will, das Auto stehenzulassen, muss attraktive Fahrpreise und den Ausbau einer ansprechenden Infrastruktur anbieten. Die Saarbahn war ursprünglich als ein attraktives Netz mit mehreren Strecken und darauf abgestimmten optimalen Bus-Zubringerlinien geplant. Das Beispiel der Stadtbahn in Karls­ruhe als Vorbild zeigt, wie erfolgreich man sein kann, wenn es richtig gemacht wird. Zwar hat Baden-Württemberg mehr Geld, aber das Land mit seiner Politik und den Bürgern steht geschlossen hinter dem Konzept. Viele Städte und fast der komplette Schwarzwald sind nahezu rund um die Uhr angebunden, günstige Fahrpreise inklusive. Das Saarland sollte als nächsten Schritt gemeinsam mit den Franzosen die Strecke nach Forbach realisieren. Immer mehr Menschen aus Lothringen kommen an die Saar, um hier zu arbeiten oder Freizeit zu verbringen. Sie müssen nicht zwangsläufig mit dem Auto kommen. Die Zukunft liegt in einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Landesregierung, der Landeshauptstadt und der Franzosen, auch beim Thema Saarbahn. Neben einer verbesserten Verkehrsanbindung entstehen so zusätzliche Chancen  für die Ansiedlung von Unternehmen und neue Wohnmöglichkeiten.