Warndt aktuell,
Ausgabe 2015/47, 27.11.2015,  
Verlag Linus Wittich


Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Schaffung einer Stadtbahnverbindung Saarbrücken- Forbach wurden vorgestellt

Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Schaffung einer Stadtbahnverbindung Saarbrücken-Forbach wurden vorgestellt

Die Idee einer ÖPNV-Verbindung mit eigener Fahrspur zwischen Saarbrücken und Forbach, nach dem Vorbild der Saarbahn-Verbindung Saarbrücken-Sarreguemines oder auch des Busbahn-Systems „Mettis“ in Metz wird seit vielen Jahren regelmäßig diskutiert. Ebenso wurde die
Erweiterung des Verkehrsnetzes auf den gesamten Metropolraum in Form einer kleinen Schleife durch das Rosseltal und einer großen Schleife (über Forbach, Freyming-Merlebach, Carling und L’Hôpital nach Creutzwald und Falck, über Überherrn und Völklingen nach Saarbrücken) angeregt.
Aus der 2012 durch den Eurodistrict durchgeführten Studie zum ÖPNV in der Metropole SaarMoselle geht hervor, dass insbesondere zwischen Saarbrücken und Forbach das Potenzial für die Schaffung und den Betrieb einer ÖPNV-Verbindung vorhanden ist.
Diese Überlegungen und Erkenntnisse weckten die Aufmerksamkeit der Communauté d’Agglomération Forbach Porte de France, des Planungs-verbandes SCOT Rosselle und der Landeshauptstadt Saarbrücken für das Thema. Zunächst sollte festgestellt werden, ob die Einrichtung einer Verkehrsverbindung mit eigener Fahrspur (französisch TSCP - Transport en Commun en Site Propre) zwischen Saarbrücken und Forbach über-haupt technisch möglich ist. Als Verband für grenzüberschreitende Zusammenarbeit war der Eurodistrict SaarMoselle als Träger für diese Untersuchung prädestiniert. 
Zunächst musste allerdings die Finanzierung für eine solche vertiefende Machbarkeitsstudie geklärt werden. Nachdem die Partner (Communauté d’Agglomération de Forbach, SCOT Rosselle, Landeshauptstadt Saarbrücken, Regionalverband Saarbrücken, Saarbahn und Eurodistrict
SaarMoselle) alle zu einem finanziellen Beitrag bereit waren, wurden Zuschüsse bei der la Région Lorraine und dem französischen Staat beantragt, und nach einer Förderzusage im EU-Projekt Sintropher (Interreg IVB) konnte die Studie schließlich in Auftrag gegeben werden.
Nach über einem Jahr Arbeit und dank der konstanten Beteiligung der Partner hat das Gutachterbüro Drees & Sommer die Ergebnisse der vertieften Machbarkeitsstudie bei der letzten Versammlung des Eurodistricts vorgestellt. Die Resultate sind ermutigend: So gibt es zwei
mögliche Trassenführungen für eine Stadtbahnverbindung. Diese würde vom Bahnhof Forbach aus entlang der Nationalstraße und in Stiring-Wendel über die Grenze in Richtung Goldene Bremm fahren.

Die erste Alternative würde auf der Dr. Vogeler-Straße entlang des Hauptfriedhofs verlaufen, im Deutschmühlental die ARBED-Trasse und dann über die „Achterbrücke“ den Saarbrücker Hauptbahnhof erreichen.

Die zweite Alternative würde entlang des ZF-Geländes hinauf zur Folsterhöhe führen, dann wieder ins Deutschmühlental und in die Gersweilerstraße und 
 Heuduckstraße. Die Bahn würde nach Über-querung der Saar auf der Wilhelm-Heinrich Brücke die bestehende Saarbahn-Strecke in Richtung Hauptbahnhof erreichen. Nach Untersuchung der Stellen mit Konfliktpotenzial wurden die Baukosten für die erste Alternative auf 14,9 Millionen Euro pro Kilometer und für die zweite (mit Anbindung des Stadtteils Alt-Saarbrücken) auf 15,9 Millionen
Euro pro Kilometer geschätzt. Eine „Busbahn“-Verbindung in der Art des „Mettis“ in Metz wäre nur auf der alternativen Trassenführung möglich. Die Kosten für diese Lösung fallen mit 9,6 Millionen Euro pro Kilometer niedriger aus.

Für die kleine Schleife (von Forbach über Großrosseln und Völklingen zurück nach Saarbrücken) und die große Schleife (von Forbach über Freyming-Merlebach, Carling und L’Hôpital nach Creutzwald und Falck, dann auf deutscher Seite über Überherrn und Völklingen nach Saarbrücken) wurde eine grobe Machbarkeitsuntersuchung durchgeführt.
Angesichts der Länge der Strecke wurde diese in mehrere Abschnitte unterteilt, die gesondert betrachtet wurden.
Die Schlussfolgerungen: Die kleine und große Schleife sind machbar, aber nur mit einer Tram-Train, d.h. Stadtbahn-Lösung, eine Busbahn-Verbindung funktioniert hier nicht. Die durchzuführenden Infrastrukturarbeiten sind umfangreich, und die Nutzung von SNCF- oder
DB-Gleisen nicht immer vermeidbar. Für einige konfliktträchtige Stellen sind vertiefende Untersuchungen notwendig, um geeignete oder wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu finden. Die Infrastrukturkosten liegen bei 5,8 Millionen Euro pro Kilometer für die kleine und bei 7,1 Millionen Euro pro Kilometer für die große Schleife. Außerdem sind mittlerweile innovative Techniken für derartige Verkehrsmittel mit eigener Fahrspur verfügbar, z.B. Schnellladestationen: An jeder Stadtbahn- oder Elektrobushaltestelle wird mit einem schwenkbaren Ladearm die Batterie ausreichend aufgeladen, um die nächste Haltestelle zu erreichen. Der Ladevorgang dauert nur 20 Sekunden, also die Zeit, welche die Fahrgäste zum Ein- und Aussteigen benötigen. Ebenso wird in Deutschland derzeit die Verwendung der Brennstoffzelle getestet, für ein Triebfahrzeug, das den benötigten Strom selbst produziert. Diese neuen
Technologien sind auf Grund ihrer Umweltfreundlichkeit interessant, außerdem werden die Eingriffe in das Stadtbild für diese Verkehrsmittel mit eigener Fahrspur gemindert, da keine Oberleitungen mehr notwendig sind.
Herr Fellinger, Präsident der Communauté d’Agglomération Forbach Porte de France und des SCOT Rosselle, begrüsste die Ergebnisse der Studie: „Dieses Projekt liegt mir besonders am Herzen. Und nun ist klar, dass es technisch durchaus möglich ist, die Grenzstädte Forbach und
Saarbrücken durch eine ÖPNV-Verbindung mit eigener Fahrspur zu verbinden. Ich bin mit der geleisteten Arbeit und den Ergebnissen der Studie sehr zufrieden“. Regionalverbandsdirektor Peter Gillo, Präsident des Eurodistricts SaarMoselle, betonte, dass die Überlegungen in einem noch größeren Rahmen anzusiedeln sind: „Die Schaffung einer neuen
ÖPNV-Verbindung ist mehr als ein grenzüberschreitendes Verkehrsprojekt. Es ist eindeutig mit zusätzlichen Investitionen im Wohnungsbau und Gewerbe und damit mit zusätzlichen Arbeitsplatzeffekten in unserem grenzüberschreitenden Ballungsraum zu rechnen“. Die sozioökonomische Zusatzstudie, für den französischen Teil der Strecke durch das Büro Sodevam erstellt, zeigt, dass die Schaffung einer ÖPNV-Verbindung mit eigener Fahrspur sich
positiv auf die Stadterneuerung im öffentlichen Raum auswirken würde, insbesondere bezüglich der Gestaltung der Ortszufahrt an der Grenze in Stiring-Wendel, aber auch bezüglich des Wohnungsangebots (Aufwertungs-, Renovierungs- und Neubaumaßnahmen). Auf deutscher Seite könnte das neue Verkehrsmittel (im günstigsten Fall) zur Schaffung von mehr als 4000 direkten und ca. 5000 indirekten Arbeitsplätzen in den Bereichen Bauwesen, Dienstleistungen und Industrie führen. Zu diesen Ergebnissen kam die GIU, Auftragnehmerin für die sozioökonomische
Untersuchung des deutschen Teils der Strecke.
Die Auswirkungen auf das Image der Region wären auch nicht zu unterschätzen: Durch die Schaffung eines neuen Verkehrsmittels mit eigener Fahrspur im grenzüberschreitenden Kontext würde sich der Metropolraum SaarMoselle auf einer Ebene mit den innovativsten
Regionen Europas positionieren und die Aufmerksamkeit auf unsere Region lenken. Charlotte Britz, Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Saarbrücken, erklärt: „Dieses Projekt würde die
grenzüberschreitende Zusammenarbeit in unserer Metropole fördern. Dass nun klar ist, dass die Stadtbahn Saarbrücken-Forbach technisch möglich ist, ist ein erster wichtiger Schritt. Die Finanzierung des Baus der Stadtbahn, Vereinbarungen über den Betrieb und die Höhe der
laufenden Kosten waren nicht Teil der Machbarkeitsstudie. Diese Punkte müssen nun im nächsten Schritt geklärt werden.“.
Bitte wenden Sie sich für weitere Auskünfte an das Kooperationsbüro des Eurodistricts  SaarMoselle:
Marie Kiffer, Projektbeauftragte Verkehr, Eurodistrict SaarMoselle, Talstraße 16, D- 66119
Saarbrücken
marie.kiffer@saarmoselle.org
Tel: 0049 (0)681/506-8017, Fax: 0049 (0)681/506-8020
www.saarmoselle.org