Die Saarbrücker Zeitung berichtete am 07.06.2016, dass die Rossel-talbrücke der A620 im Laufe der nächsten 20 Jahre neu gebaut werden müsse.

Verkehrsbelastung der Rosseltalbrücke

-   Fahrzeuge auf der Rosseltalbrücke der A 620  im Jahr 2010


Verkehrsmengenkarte 2010

Bereich Völklingen

Die Verkehrsmengenkarte 2010 zeigt die Anzahl der Pkw und Lkw, welche zwischen der Anschlussstelle Völklingen-Wehrden und der AS Völklingen-Geislautern gezählt wurden. Die  Anzahl von täglich 38.354 PKw und 2.721 Lkw fuhr 2010 über die Rosseltalbrücke. 

Mindestens 41.000 Fahrzeugen pro Tag müssen also vor der Rosseltalbrücke umgeleitet werden.  2016 werden es mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Fahrzeuge sein.  
Statistisch ist ein Pkw mit 1,3 Personen besetzt. Die gezählten Pkw beförderten somit  49.860 Personen, für die eine alternative Beförderungsmöglichkeit gefunden werden sollte.

§    Mögliche Umleitungsstrecken

Im Falle einer Sperrung dieser Brücke infolge eines notwendigen Neubaus bieten sich die folgenden Umleitungsmöglichkeiten an:

a)    Die Ortsdurchfahrt Wehrden bis zur AS Völklingen –                            Geislautern 
Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Fahrzeugen auf der Schaffhauser Straße von etwa 10.000 Fahrzeugen täglich müssten zusätzlich 41.000 Fahrzeuge verkraftet werden.            

An der Kreuzung Ludweilerstrasse (L165) / L 271 Hallerstrasse trifft dieser Verkehrsstrom dann auf mindestens 22.000 Fahrzeuge aus dem Warndt.
An dieser Kreuzung (Ampelanlage mit Abbiegespur) begegnen sich also täglich mehr als
63.000 Fahrzeuge, die sowohl über die Rathausstrasse nach Völklingen als auch zur Anschlussstelle Geislautern der A620 wollen. 
Ab dieser Kreuzung bis zur Anschlussstelle Geislautern führt der Weg vorbei an einem viel besuchten Verbrauchermarkt, einer Tankstelle sowie weiteren Geschäfte.
 

Selbst wenn man annimmt, dass ein Teil der aufgezeigten Fahrzeuge andere Wege nimmt, bleibt die Belastung enorm; sie wäre nicht verkraftbar.  Es kommt sehr wahrscheinlich zum Verkehrsstillstand und sehr weitreichenden Rückstauungen.

b)   AS Wadgassen – Bous – B51 – AS Völklingen       
Eine andere Möglichkeit besteht darin, ab der Ausfahrt Wadgassen die Fahrzeuge über Bous und die  B51 zur Karolinger Brücke in Völklingen umzuleiten. Die Karolinger Brücke hatte jedoch bereits 2010 ohne diesen Mehrverkehr eine tägliche Belastung von ca. 28.000 Fahrzeugen aufgewiesen.      

Berichte über deren Sanierungsbedürftigkeit wurden im Juli 2016 publik.

Sollte es dazu kommen, dass beide Brücken zur gleichen Zeit neu gebaut werden sollten, so ist auch eine Umfahrung der Rosseltalbrücke über Bous und Völklingen keine Alternative mehr. Völklingen würde im Verkehrsstau ersticken. 

c)   Wadgassen – Werbeln – Ludweiler – Geislautern – AS
        Völklingen-Geislautern

Es gibt auch die Möglichkeit, dass ab Wadgassen ein Teil der Fahrzeuge den Weg über Werbeln – Ludweiler – Geislautern zur AS Völklingen–Geislautern nimmt. Diese Fahrzeuge kommen dann im Haller in Wehrden wieder zu den Fahrzeugen hinzu, die von Wehrden kommen.  Für Fahr-zeuge aus dem Raum Überherrn, Differten und Werbeln bietet sich diese Route an, ggf. über Klarenthal zur A620. In jedem Fall hätte es eine Mehrbelastung von Ludweiler bis Velsen zur Folge.

d)   Weiträumige Umfahrung über Überherrn – Creutzwald – A320
        nach Saarbrücken.
Wird diese weiträumige Umfahrung gewählt, so wäre dann mindestens ab Goldener Bremm mit einem hohen Verkehrsaufkommen in die Innenstadt Saarbrücken zu rechnen. Dieser Verkehr kommt zu dem Verkehr hinzu, der durch die Umleitungsstrecken für die Fechinger Talbrücke bereits die Stadt belastet. Es ist auch fraglich, ob die Autofahrer diesen Umweg fahren würden oder lieber die Zeit im Stau verbringen möchten.

e)   Gleichmäßige Verteilung der Fahrzeuge auf die oben
         genannten Strecken a) bis d)
 

Nimmt man an, dass sich die Fahrzeuge gleichmäßig auf die Strecken a – d verteilen werden, so würde sich das Verkehrsaufkommen auf den genannten Strecken um mindestens ca. 10.000 Fahrzeuge/täglich erhöhen.         

Alle diese Möglichkeiten bedeuten für Wehrden immer noch eine Verdoppelung des Verkehrs in der Schaffhauser Straße.  

Da man allerdings davon ausgehen muss, dass die kürzeste Verbindung gewählt wird, wird die Hauptlast Wehrden zu tragen haben.

Alternative Verkehrsmöglickeiten

  •    Einsatz von Personenschiffen auf der Saar

Für den Bereich ab Wadgassen könnte man den Reisenden nach Saarbrücken Personenschiffe als Reisemöglichkeit anbieten. Diese Fahrten erfordern jedoch ein gewisses Zeitbudget, das für Berufspendler eher ein Ausschlusskriterium ist. Wurde doch der Pkw vorwiegend aus zeitökonomischen Gründen für die Fahrt gewählt.   
An den Anlegestellen müssen zudem ausreichend Parkplätze angelegt werden.

§     Verstärkte Nutzung des Fahrrades für den Weg zur Arbeit        
Auch wenn sportlich ambitionierte Radfahrer das Rad für ihren Weg zur Arbeit nutzen, so wird diese Form der Mobilität keine wesentliche Entlastung herbeiführen können.
Es fehlt nicht nur an geeigneten Radwegen, welche für eine breite Bevölkerungsschicht eine Grundbedingung für die Radnutzung ist. Das Rad wird auf der Strecke von Wadgassen bis Saarbrücken von vielen Menschen nicht genutzt werden.

§     Wiederherstellung von Bahnlinien     

Der Schienenweg ist in dem von der A620 betroffenen Bereich der einzig sinnvolle Weg zur Verkehrsverlagerung und zur Beförderung von größeren Personenzahlen. 

Bezogen auf die von der Sperrung der Rosseltalbrücke betroffenen Orte sind hier die Bisttalbahn (Überherrn – Fürstenhausen – Saarbrücken) und die Rosseltalbahn zu nennen.

Ø  P+R Platz auf dem Gelände des ehem.
      Kraftwerkes Wehrden

Für Wehrden gibt es eine gute Möglichkeit, die sich abzeichnende Belastung zu mindern und ggf. bereits relativ schnell zu einer Entlastung der Schaffhauser Straße zu kommen.

Von der Anschlussstelle Völklingen-Wehrden der A620 führt eine Straße in das Industriegebiet am ehemaligen Kraftwerk Wehrden.

Dort steht eine freie Fläche auf dem Gelände des früheren Kraftwerkes und der Firma Trockle zur Verfügung zur Errichtung eines P+R Platzes bzw. Parkhauses. Dieses ist unmittelbar an der Bahnstrecke nach Überherrn gelegen und würde Pendlern eine gute Möglichkeit zum Umsteigen auf die Bahn nach Saarbrücken  bieten. 

Auch Hostenbach und Wadgassen können P+R Plätze anbieten und somit Alternativen zur Straßenbenutzung schaffen. Davon kann auch Schaffhausen profitieren.

Förderung der EU in Höhe von 80% für Reaktivierung dieser Bahnlinien ist möglich !

Im November 2015 wurde vom Eurodistrict SaarMoselle eine Machbarkeitsstudie präsentiert, welche grenzüberschreitende Schienenverbindungen ab Saarbrücken vorstellte.

Diese Studie nannte 2 Linien: die sog. „kleine Schleife“ über Forbach – Großrosseln nach Saarbrücken einerseits und die „große Schleife“  über St. Avold – Creutzwald – Überherrn – Wadgassen – Wehrden – Fürstenhausen nach Saarbrücken.  

Diese sog. Große Schleife würde die P+R Möglichkeit in Wehrden eröffnen. 

Das überaus positive Ergebnis dieser Studie ist die Aussage, dass die Kosten des Gesamtprojektes  von der EU mit 80% gefördert werden könnte. 

Diese hohe Förderquote ergibt sich durch die Tatsache, dass es sich um ein grenzüberschreitendes Projekt handelt. 

Nach unseren Berechnungen würden auf das Saarland ganze 20 Mio. € entfallen, 519 Mio. € würde die EU zahlen.

Bezogen auf die Kosten des Gesamtprojektes sind vom Saarland 2,66% zu tragen.
Sollte das nicht zu schaffen sein? Sollen die Bürger von Wehrden die Leidtragenden sein für eine verfehlte Verkehrspolitik, wenn diese einmalige Chance vertan wird?
 

Es müssen auch keine neuen Schulden gemacht werden, denn den Anteil des Saarlandes kann das Land aus den sog. Regionalisierungsmitteln finanzieren. Diese Mittel erhält  das Saarland aus dem Bundeshaushalt für die Bestellung von Leistungen im Schienenverkehr. Diese Leistungen wurden gesetzlich festgeschrieben bis zum Jahr 2031.

Warum bereits jetzt handeln!

Wie alle Fördermittel der EU sind diese für bestimmte Förderperioden festgelegt. Die Förderperiode für die o.g. Mittel endet 2020. Bis dahin müssen diese Mittel verwendet worden sein.

Leider hat das saarländische Wirtschafts- und Verkehrsministerium seit November 2015 nach unseren Informationen noch keine konkreten Planungsschritte unternommen, um innerhalb der Förderperiode diese Projekt zu realisieren.

Dieses Zögern kann dazu führen, dass Fördermittel in bisher einmaliger Höhe verfallen und die Verkehrsbelastung der Bürger im Falle der Brückensperrung in unakzeptabler Weise zunimmt.

Die IGWRB  sowie der VCD setzen sich für eine Verkehrsverlagerung auf die Schiene ein. Bei der Verkehrsverlagerung berühren sich unsere Interessen; wir haben das gleiche Ziel.  Wir allen wollen eine Entlastung der Anwohner von den vielfältigen Belastungen durch den Straßenverkehr.

Gemeinsame Presseerklärung des VCD Saar und der IGWRB e.V. zur Problematik Rosseltalbrücke der A620 und der möglichen Entlastung durch die Reaktivierung der Bisttalbahn und der Rosseltalbahn

Neubau der Rosseltalbrücke der A620 -  Parallele Bahnlinie zur Entlastung nutzen!

VCD und IGWRB fordern Kehrtwende bei Infrastruktur-investitionen

Die Berichterstattung der SZ über einen Neubau der Rosseltalbrücke der A620 lenkt erneut den Blick auf ein grundlegendes Problem saarländischer Verkehrspolitik: Sie setzt so einseitig auf den Straßen-verkehr, dass die Straßeninfrastruktur bautechnisch überlastet ist. Das Brückendesaster zeigt dies symptomatisch. Diese Schwierigkeiten setzten sich fort, wie nun auch an der Diskussion zum Neubau auch Rosseltalbrücke in Völklingen zu beobachten ist.

Dabei dürften deren Nutzer die parallel zur A620 verlaufenden Schienenstränge kaum übersehen können. Welche Entlastung können sie bringen? Warum werden sie nicht genutzt? Warum zögert das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr des Saarlandes mit der Umsetzung eines Projektes -  dessen Machbarkeit bereits gutachterlich belegt wurde - für den grenzüberschreitenden Schienenverkehr, welches auch die Reaktivierung der Warndt- und Rosseltalbahn sowie der Bisttalbahn beinhaltet?     
Diese Reaktivierungen würden den über 24 000 PKW-Fahrern, die täglich in Völklingen auf die Autobahn drängen, eine Alternative bieten. 40 000 Kfz befahren zudem täglich die Rosseltalbrücke. Aus diesem Potential kämen zusätzliche Nutzer. Die Brücke könnte durch die Bisttalbahn sehr wirksam entlastet werden.

Der grenzüberschreitende Schienenverkehr mit den Linien sowohl über Großrosseln – Forbach als auch über Überherrn – Creutzwald – St. Avold nach Saarbrücken könnte auch im Güterverkehr genutzt werden.

So ist z. B. die Firma Mosolf in Überherrn an dem Betrieb eines Containerterminals in Überherrn interessiert. Dieser würde  zusätzlichen Frachtverkehr auf der Strecke nach Saarbrücken bringen, die Straßen und die Umwelt entlasten und Wirtschaftlichkeit der Strecke erhöhen. Über eine finanzielle Beteiligung der Firma Mosolf war auch schon einmal in der SZ berichtet worden.

Die Wiederaufnahme des parallelen Schienenverkehrs bedeutete für die A620 eine erhebliche Entlastung; der Neubau der Rosseltalbrücke könnte mit weit geringeren Beeinträchtigungen erfolgen oder sogar vermieden werden. Auch bei den Kosten besteht bei grenzüberschreitender Ausrichtung des Schienenverkehrs der Lichtblick umfangreicherer Förderung durch die Europäische Union. Bei derartigen Fördergeldern hat das Saarland noch ein besonders ausgeprägtes Entwicklungs­potenzial aus Sicht von VCD und IGWRB.

Die Bürgerverbände IGWRB und VCD fordern die saarländische Landesregierung auf, in der Infrastrukturentwicklung endlich umzulenken und die EU-Förderpotenziale nachhaltig auszuschöpfen.
Das  Saarland darf auf 519 Mio. € Fördergelder der EU für dieses Projekt nicht verzichten?