Interessengemeinschaft Warndt- und Rosseltalbahn                 

 

29. Mai 2018 | 20:57 Uhr

Verkehrsentwicklungsplan kommt später

Streit um Bahnverkehr über die Grenze









Nur noch an Karfreitagen fahren Züge von Dillingen nach Bouzonville – wegen des Traditions-Markts. FOTO: RUP


Saarbrücken/Berlin/Paris. In der großen Saar-Koalition fahren CDU und SPD in entgegengesetzten Zügen bei der Frage des Schienenverkehrs.  von Dietmar Klostermann

Saar-Europa-Staatssekretär Roland Theis (CDU) hat große Hoffnungen, was die Zusammenarbeit des Saarlands mit der französischen Grenzregion angeht. Diese Hoffnungen ruhen auf der 18-köpfigen Arbeitsgruppe von Abgeordneten der französischen Nationalversammlung und des deutschen Bundestags, die den jetzt 55 Jahre alten Elysée-Vertrag gründlich renovieren wollen. Vor allem die Grenzregionen sollen viel stärker als bisher zusammenarbeiten. „Ich freue mich riesig darüber, dass wir insbesondere mit dem franzöischen Abgeordneten aus Forbach, Christophe Arend, einen Verbündeten für unsere Ideen zur Stärkung der Grenzregionen haben“, jubelte Theis jetzt in einer Pressemitteilung. Arend ist Mitglied von Emmanuel Macrons Marschbewegung. In der Arbeitsgruppe, die jetzt regelmäßig zwischen Berlin und Paris pendelt, sitzt als einziger Saarländer auch der Saar-SPD-Generalsekretär Christian Petry, den Theis nicht erwähnte.

Zügig soll es in der Grenzregion nach Theis Vorstellungen vor allem bei der Schaffung einer gemeinsamen Verwaltung für den Eurodistrict Saar-Moselle vorangehen. Dieser Eurodistrict könnte demnach Träger von Kitas und des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) im Grenzgebiet werden, erklärte Theis. Den „Makel der Grenzlage“ gelte es durch bessere Schienenverbindungen abzustreifen. „Für das Saarland gilt dies für die Fernverbindung von Frankfurt nach Paris. Gleichsam gilt dies aber für die Verbesserung der Schienenverbindung im Dreieck Metz, Luxemburg, Saarbrücken“, betonte Theis.

Im Arbeitskreis von Nationalversammlung und Bundestag gibt aber einstweilen der Vorsitzende, der Konstanzer CDU-Abgeordnete Andreas Jung, die Richtung vor. Vorrangig ist für Jung der „zügige Wiederaufbau“ der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bahnstrecke Freiburg-Colmar, die just am Pannen-Atomkraftwerk Fessenheim vorbeiführt, wie jetzt die „Stuttgarter Zeitung“ berichtete. Dort soll nach Schließung des AKW ein riesiges Gewerbegebiet entstehen. „Das soll keine Sankt-Nimmerleins-Bimmelbahn werden“, betonte Jung demnach.

Während Theis im Europa-Ministerium bereits von einem funktionierenden Grenzverkehr auf der Schiene träumt, kann sich das auf der anderen Saarseite gelegene Verkehrsministerium von Anke Rehlinger für diese Zukunftsideen nicht erwärmen. Auf eine Anfrage der SZ, welche grenzüberschreitenden Bahnverbindungen das Saarland nach Lothringen und Luxemburg reaktivieren oder neu bauen wolle, antwortete Rehlingers Sprecherin Jennifer Collet: „Der Neubau oder die Reaktivierung von Bahnverbindungen aus dem Saarland nach Lothringen sind nicht geplant.“ Im Schienenbereich gebe es keine direkte Verbindung zwischen dem Saarland und Luxemburg. Die „Aufrechterhaltung der vorhandenen grenzüberschreitenden Verkehre“ sei aber nach wie vor ein wesentliches Ziel bei der Gestaltung des Öffentlichen Personennahverkehrs in der Großregion.

Dabei läuft momentan über den Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd die Vergabe des Schienenpersonennahverkehrs über fünf Jahre von Dezember 2018 bis 2023 auf der Strecke Dillingen-Niedaltdorf zusammen mit der Strecke Saarbrücken-Pirmasens. Doch trotz vielfacher Forderungen aus der Kommunalpolitik und von Verkehrsverbänden werden seitens des Verkehrsministeriums keine Anstrengungen unternommen, die Bahnstrecke Dillingen-Niedaltdorf-Bouzonville-Metz zu reaktivieren. Dabei könnte auch die Bahnverbindung Dillingen-Thionville-Luxemburg reaktiviert werden - wenn denn der Wille da wäre.

Auch die von Lothringer Politikern geforderte Anbindung Forbachs an die Saarbahn, dort Tram-Train genannt, stößt im Saar-Verkehrsministerium auf keine Begeisterung. „Die Aufgabenträgerschaft für Straßenbahnverkehre liegt im Saarland bei den Kommunen und hier somit bei Forbach und Saarbrücken. Ob die erforderlichen Fahrzeuge und der Betrieb finanzierbar sind, muss noch untersucht werden“, sagte Collet. Dem Land sei aufgrund der begrenzten Mittelausstattung eine Mitfinanzierung nicht möglich. Eine Busverbindung scheine ohnehin die bessere Alternative zu sein, um die bestehenden Verkehrsbedürfnisse im ÖPNV kostengünstig und wohnortnah zu realisieren, so die Rehlinger-Sprecherin.

Während Theis vom modernen Schienen-Grenzverkehr mit dem hoch-effizienten Antriebsmotor „Elysée 2.0“ schwärmt, der ganz im Sinne Macrons „marschiert“, ist der neue Verkehrsentwicklungsplan ÖPNV im Saarland ins Stocken geraten. Nach ursprünglicher Planung des Verkehrsministeriums sollte dieser im Frühsommer 2018 fertig gestellt sein und der Öffentlichkeit vorgelegt werden. Jetzt ist bereits von „frühestens Herbst 2018“ die Rede.

Die Rehlinger-Sprecherin Collet räumte ein, dass „zusätzliche Datenerhebungen“ nötig geworden seien, darunter „die detaillierte Erfassung und Bewertung der Ausstattung und Qualität der Stationen“. Der Verkehrsentwicklungsplan ÖPNV werde unter Beteiligung der Öffentlichkeit und aller Interessengruppen erarbeitet. Der gesamte Prozess werde von einem Beirat begleitet, dem Verbände, Aufgabenträger, Verkehrsunternehmen, Kammern und Gewerkschaften angehörten. Die regelmäßige Abstimmung und Rückkopplung bringe einen erhöhten Zeitaufwand mit sich, werde aber zu einem differenzierten und besser abgestimmten Ergebnis führen. „Mehr Zeitbedarf zugunsten eines besseren Ergebnisses haben wir dabei bewusst in Kauf genommen“, sagte Collet.

Aus der saarländischen Bevölkerung seien bisher rund 300 Einzelvorschläge zur Verbesserung des ÖPNV eingegangen, die fortlaufend behandelt und bewertet würden. „Vorbehalte gegenüber Vorschlägen von Experten oder aus der Bevölkerung gab es zu keiner Zeit – im Gegenteil“, betonte Collet. Um den ÖPNV attraktiver zu machen, brauche es die Bewertung der Nutzer. Die Rückmeldungen und Anregungen von Experten wie auch Kunden seien daher sehr wertvoll und würden vorbehaltlos in den weiteren Prozess eingearbeitet.

Saarbrücker Zeitung, 30.05.2018


Saarbrücker Zeitung, Wirtschaft, Seite A7                                                             Mittwoch, 15.Juli 2015


Neue Bahnverbindungen nach Frankreich?

Gutachten der Landesregierung prüft bessere Anschlüsse nach Lothringen und Luxemburg


In den grenzüberschreitenden Bahn-Nahverkehr nach Frankreich kommt
Bewegung. Ein Gutachten der Landesregierung und eines Logistik-Unternehmens prüft, welche Verbindungen verbessert werden können.


Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia


Saarbrücken/Überherrn
Das Saarland, Unternehmen aus der Saar-Wirtschaft und Politiker aus Lothringen wollen die grenzüberschreitenden Zugverbindungen im Personen- und Güterverkehr verbessern. Hierzu hat das Saarland eine Studie in Auftrag gegeben, die von dem Technik- und Logistik-Dienstleister Mosolf in Überherrn mit finanziert wird. Auch die EU in Brüssel soll sich beteiligen, da die Studie als „Interreg-­Programm“ angemeldet ist. Die Gesamtkosten für die Studie belaufen sich auf rund 275 000 Euro.  
                        
                                   

Nichts geht mehr bei der Bahn zwischen dem Saarland und Frankreich. Im Personen- und Güterverkehr auf der Strecke Wadgassen-Überherrn. Das könnte sich bald ändern.                                       Foto: Rolf Ruppenthal


In einem ersten Schritt wird die Reaktivierung der Bahn-Strecke von Wadgassen über Überherrn nach Frankreich geprüft. „Wir haben starkes Interesse an diesem Projekt“, bestätigt  Mosolf-Vertriebsleiter Heiko Scheuermann. Das Unternehmen bekommt regelmäßig Transporte von Autoherstellern aus dem Ausland zur Weiterverarbeitung von Fahrzeugen. Mit der Reaktivierung der Bahnstrecke könnte auch das Industriegebiet Lisdorfer Berg besser angebunden werden, das vom Land überregional als Aushängeschild für Neuansiedlungen vermarket wird.   

Die Mosolf-Gruppe ist mit 2000 Mitarbeitern an über 30 Standorten europaweit vertreten und hat 2014 rund 310 Millionen Euro Umsatz gemacht. Konkret plant
Mosolf in Überherrn den Bau eines öffentlichen Güterverkehrszentums. Die Studie untersucht vier mögliche Routen von Überherrn in das übergeordnete deutsche und französische Bahnnetz. Schätzungen zufolge ließen sich jährlich 30 000 Lkw-Ladungen in einem Umkreis von 50 Kilometern von der Straße auf die Schiene verlagern.

Die Investitionen für den Bau des Terminals und Arbeiten an der Bahnstrecke werden mit 15 Millionen Euro veranschlagt. In diesen Kosten enthalten ist auch die notwendige Elektrifizierung von Teilstrecken der Bahn auf saarländischer und französischer Seite. Es geht um 19 Kilometer von Überherrn bis Völklingen­-Fürstenhausen beziehungsweise fünf Kilometer nach Falck. Die Studie geht davon aus, dass in der Region weitere Auto-Zulieferer sowie Ford Interesse an verbesserten Anschlüssen nach Frankreich haben. Auch eine Wiederbelebung des grenzüberschreitenden Personennahverkehrs sei wahrscheinlich.

Über dieses Projekt hinaus gibt es weitere Überlegungen. So diskutieren das Land, die Deutsche Bahn sowie Kommunalpolitiker aus dem Saarland und Lothringen über eine stärkere Nutzung der ist eine Verlängerung von Bouzonville bis Thionville, was auch für Saarländer ei ne bessere Zuganbindung nach Luxemburg bringen könnte. Zudem hält in Thionville auch der TGV Luxemburg-Paris. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der sich mit eigenen Vorschlägen für bessere Zugverbindungen im grenzüberschreitenden Verkehr einsetzt, begrüßt die Entwicklung. Nach einer Elektrifizierung zwischen Völklingen und Überherrn könne auch die Saarbahn durchgehend von Saarbrücken bis Überherrn fahren, was zahlreiche zusätzliche Nutzer bringe, so der VCD.

M einung:

Zeit für bessere Verbindungen

Von SZ-RedakteurThomas Sponticcia

Frankreich und Deutschland verhielten sich beim grenzüberschreitenden

Bahn-Nahverkehr in den vergangenen Jahren so konstruktiv zueinander wie Feuer und Wasser. Interessant war bestenfalls der Fernverkehr zwischen Paris und  Frankfurt. Der bringt Geld. Doch immer mehr Lothringer arbeiten an der Saar. Die kommen mangels attraktiver Bahn-Anbindung meist mit dem Auto. Viele Betriebe im Grenzgebiet sind an besseren Güterverbindungen interessiert: Mosolf, Ford, die Dillinger Hütte, Saarstahl und andere. Eine bessere Bahnverbindung über Wadgassen und Überherrn nach Frankreich würde zudem dem Industriegebiet Lisdorfer Berg helfen. Das Saarland und Lothringen müssen auch im Nahverkehr der Bahn endlich enger zusammenwachsen.

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