Interessengemeinschaft Warndt- und Rosseltalbahn                 

Presseberichte zur Warndt- und Rosseltalbahn



Saarbrücker Zeitung 06.01.2006, Lokalteil Völklingen (B5)  
Leserbrief  
SAARBAHN  Das Rosseltal schnell bedienen  
Zum Artikel „OB besteht auf Haltepunkt Luisenthal" (4. Januar)  

Eine Verbindung zwischen Völklingen – Saarbrücken im 30-Minuten Takt besteht bereits. Mit einer zusätzlichen Verbindung bestünde eine Anbindung nach Saarbrücken alle 20 Minuten. Diese Verbindung könnte mit einem Halt in Luisenthal verbunden sein. Eine Realisierung sollte bis Sommer 2006 möglich sein.    
Ein Nutzen für Völklingen durch die Anbindung des Weltkulturerbes mit der Saarbahn kann ich nur dann erkennen, wenn auch eine Verbindung mit dem Industriedenkmal in Petite Rosselle hergestellt werden würde. Im übrigen sollten die Verantwortlichen die Schnellbusverbindung Völklingen – Saarbrücken beenden; eine Parallel-verbindung, deren Kosten eingespart werden könnten.    
Die Rosseltalstrecke sollte dagegen schnellstens bedient werden, denn sie ist noch voll betriebsfähig. Eine standardisierte Bewertung bezieht Investitionskosten mit ein, und bei einer noch befahrenen Strecke sind diese naturgemäß weit geringer als bei einer stillgelegten Strecke. Der Warndt könnte mit der Bahn bis Dorf im Warndt erschlossen werden. Von dort könnte ein Zubringerbussystem für weitere Orte eingerichtet werden.     
Zur Finanzierung möchte ich auf Mittel der EU verweisen sowie auf die DSK, die nach Schließung des Bergwerkes Warndt der Region Hilfen in Aussicht stellte. Weiter möchte ich anregen, Mülltransporte nach Velsen und Schlackentransport nach Illingen mit der Bahn zu erledigen sowie gegebenenfalls die Zulieferungen zum möglichen Biomassekraftwerk auf dem Bergwerksgelände.    
   Konrad Kunz, Blieskastel, früher Geislautern  

Saarbrücker Zeitung 10.1.2006, Lokalteil Völklingen:

Die Rosseltal-Bahn steht zum Verkauf
Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Die Deutsche Bahn AG (DB) will die 12,5 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen dem Bahnhof Fürstenhausen und der Grube Warndt stilllegen. Wie es in solchen Fällen üblich ist, hat die DB die Anlagen zum Verkauf oder zur Verpachtung angeboten. Interessenten müssen freilich in den kommenden Jahren mit hohen Sanierungs-Kosten rechnen.

Die Kohle-Züge mit der Aufschrift "Heimatbahnhof Fürstenhausen" - hier das Original und eine Spielzeug-Nachbildung - fahren seit Jahresbeginn nicht mehr auf dem Gleis zwischen Fürstenhausen und der Grube Warndt. Nur Modelleisenbahner können die traditionellen Güterzüge noch rollen lassen.    Foto: Schedler

Großrosseln/Völklingen. Haben Sie gerade 129067 Euro übrig? Wenn ja, dann könnten Sie Bahn-Besitzer werden. Denn für die genannte sechsstellige Summe steht derzeit die 12,5 Kilometer lange, eingleisige Strecke zwischen dem Bahnhof Fürstenhausen und der Grube Warndt zum Verkauf. Wobei das letzte Anschluss-Stück in Fürstenhausen, auf dessen Bahnkörper mehrere Gleise verlaufen, nicht verkäuflich ist, man kann es nur pachten; Kostenpunkt pro Jahr: 1617 Euro plus Mehrwertsteuer. Alternativ könnte man auch die gesamte Strecke pachten, wofür jährlich 11942 Euro plus Mehrwertsteuer zu berappen wären. Jährliche Kosten von 11000 Euro für den "Eisenbahninfrastruktur-Anschluss", also die Gleis-Anbindung an die weite Welt, kämen hinzu. Ob Kauf oder Pacht, die Sache braucht schnell Entschlossene. Denn die Ausschreibung, die die Deutsche Bahn (DB) Netz AG im Internet veröffentlicht hat, gilt nur bis zum 25. Februar.

Hintergrund des Angebotes ist, dass die Anlage Warndt-Luisenthal des Bergwerks Saar im Juni 2005 ihren Abbau eingestellt hat. Seither wird dort keine neue Kohle mehr gefördert. Der Rohstoff, der noch auf dem Bergwerks-Gelände lagerte, ist mittlerweile zum großen Teil abtransportiert, nur noch 10000 bis 20000 Tonnen sind übrig. Also braucht die Deutsche Steinkohle AG (DSK) den Bahnanschluss zwischen Karlsbrunn und Fürstenhausen für ihre Zwecke nicht mehr und hat ihren Vertrag mit der Deutschen Bahn (DB) Netz AG gekündigt (wir berichteten). Da aber die DSK schon lange einzige Nutzerin der Strecke war, möchte die DB das für sie verlustträchtige Kapitel "Rosseltal-Bahn" schließen: Sie hat bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Eisenbahnbundesamt, die Stilllegung der Strecke beantragt. Dabei gehört es zum Standard-Verfahren, dass die zur Debatte stehenden Bahn-Anlagen Dritten zum Kauf oder zur Pacht angeboten werden - es wäre ja denkbar, dass Gleise oder Bahnhöfe, die für die Bahn selbst unrentabel sind, noch einem anderen Verkehrsbetreiber oder einem privaten Unternehmen Nutzen bringen.

Was die Gleise im Rosseltal angeht, muss man das aber bezweifeln. Denn hier sieht die "betriebswirtschaftliche Bewertung" der DB ungünstig aus. Die DB erinnert zunächst daran, dass der Personen-Verkehr bereits 1976 "wegen zu geringer Nachfrage" eingestellt wurde. Bis Ende 2005 rollten noch ein bis zwei Güterzüge pro Woche, seit dem Jahreswechsel aber nichts oder fast nichts mehr. Also kaum Einnahmen. Auf der anderen Seite, so die Angaben der DB, verursache die "Vorhaltung der Strecke" Kosten von mehr als 280000 Euro jährlich, mehr als die Hälfte davon für Personal - unter anderem müsse, um Züge durch den Gruben-Bahnhof zu leiten und zu rangieren, das dortige Stellwerk mit einem Mitarbeiter besetzt sein. Zu allem Überfluss seien in den kommenden fünf Jahren auch noch beträchtliche Investitionen nötig, jedenfalls nach dem "Standard DB Netz AG": 2006 sei eine Brückensanierung fällig, was mit etwa 954000 Euro zu Buche schlage. Und in den Folgejahren müsse man - rund 2,3 Millionen teuer - Gleise erneuern.

Nach dem Ende der Ausschreibungsfrist hat die Genehmigungsbehörde das Wort. Das Land kann bei der Entscheidung mitreden, etwa indem es Einwände gegen die Strecken-Stilllegung geltend macht. Es müsste dann jedoch alle Kosten und Pflichten für die Gleisanlage übernehmen. Deshalb, das stellte Philipp Britz von der Pressestelle des Wirtschaftsministeriums schon in der vergangenen Woche klar, wird das Land sich in Sachen Rosseltal-Bahn nicht einschalten.

Meinung
Ohne Geld keine Bahn-Zukunft
Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Kostspielige Investitionen sind nach Schätzung der Deutschen Bahn AG (DB) in den nächsten paar Jahren erforderlich, wenn auf der Gleisstrecke durchs Rosseltal der Zug-Betrieb weitergehen soll. Schwer zu sagen, ob die von der Bahn genannte Schätzung realistisch ist oder ob die Bahn - die wohl schon bisher auf dieser Strecke tiefrote Zahlen schrieb und daher offensichtlich an der Stilllegung interessiert ist - hier übertreibt. Aber vom Tisch wischen lassen sich die Hinweise auf eine bald fällige Brücken-Sanierung und in naher Zukunft nötige Gleis-Erneuerungen nicht: Sicherheit hat auf der Schiene in jedem Fall Vorfahrt. Mehrere Millionen Euro aber kann so rasch kaum eine öffentliche Stelle locker machen. So sieht es finster aus für die Zukunft der Strecke. Es sei denn, es fänden sich doch noch starke Streiter für die Rosseltal-Bahn, die gute Nutzungs-Ideen und viel Überzeugungskraft mitbringen. Auf längere Sicht aber, an dieser Einsicht führt kein Weg vorbei, muss Kapital her. Ohne Geld ist die Warndt-Bahn mausetot.

Hintergrund
Rechtsgrundlage für die öffentliche Ausschreibung der Rosseltal-Bahnstrecke ist Paragraf elf des Allgemeinen Eisenbahngesetzes, der die "Abgabe und Stilllegung von Eisenbahninfrastruktureinrichtungen" regelt. Danach braucht ein öffentliches Bahn-Unternehmen wie die Deutsche Bahn (DB) die Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes, wenn es einen Bahnhof oder eine Gleisstrecke nicht mehr betreiben will. Die DB muss dabei darlegen, dass und warum ihr der Betrieb der Anlagen "nicht mehr zugemutet werden kann". Zuvor muss sie die Anlagen Dritten zur Übernahme anbieten, per Ausschreibung im Bundesanzeiger oder im Internet. Wenn die wirtschaftlichen Gründe für die Stilllegung überzeugend sind, das Angebot ohne Echo bleibt und auch die an der Entscheidung beteiligten Landesbehörden keine Einwände erheben, dann muss die Stilllegungs-Erlaubnis erteilt werden. dd

Betreff: Artikel „Die Rosseltalbahn steht   
zum Verkauf“  vom 10.01.06

Leserbrief der IGWRB

Zunächst großes Lob an Frau Döpke für ihre engagierte Berichterstattung. Leider schreiten die Stilllegungsbemühungen schneller voran als auch bei pessimistischster Betrachtung befürchtet. Ohne massiven Bürgerprotest ist die Stilllegung beschlossene Sache. Auch die örtlichen Parteien sollten sich dringendst engagieren. Die Rechnung der Bahn ist unglaubwürdig, denn die Bahnstrecke war ohne Einschränkungen befahrbar; kurzfristig sind m.E. keine Investitionen erforderlich. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass bis zur Aufgabe des Personenverkehrs 1976, angeblich „wegen zu geringer Nachfrage“, werktäglich 3 Zugpaare die Strecke nach Saarbrücken bedienten wovon 4 Züge, die von Berufstätigen und Schülern benutzt wurden, sehr gut besetzt waren. Nach Einstellung des Personenverkehrs erfolgte ein Umstieg auf den Pkw; das Busangebot  wurde bis heute nicht angenommen. Eine wesentliche Entlastung der Straßen könnte nur durch die Saarbahn erfolgen. Alle Bemühungen zur Verkehrsberuhigung, z.B. der Ludweilerstraße in Geislautern, sind verfehlt und reine Geldverschwendung, wenn der Verkehr nicht auf die Schiene verlagert werden kann. Mittel zur Verkehrsberuhigung sind am wirkungsvollsten in Bahnverbindungen angelegt. Das Desinteresse der Landesregierung an einer Übernahme der Strecke belegt ihr kurzsichtiges Denken und ihre Unfähigkeit bezüglich einer vernünftigen Verkehrsinfrastruktur. Noch in der Beilage zur SZ vom 15.11.2005 „Wirtschaftsland Saarland“ wurde darüber berichtet, dass eine Strecke von Saarbrücken über Gersweiler, Großrosseln nach Forbach im Gespräch sei. Nur 1,5 Monaten später ist alles vom Tisch. Der Warndt wird benachteiligt zugunsten der Strecke nach Lebach. Das mindeste wäre der Kauf der Strecke durch das Land zum Erhalt der Bahninfrastruktur für künftige Optionen.

Konrad Kunz

 SOL.DE | saarland online | völklingen,  art2812,1713375.html, 26.04.2006

Rosseltalbahn: Ein Ende, ein Anfang        ..  

Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Für die Rosseltalbahn will die Eigentümerin, die Deutsche Bahn (DB) Netz AG, jetzt die Stilllegung beantragen: Ende öffentlichen Bahnbetriebs auf der Strecke. Zugleich ein Anfang, die Gleise als private Anschlussbahn zu verpachten - an die Deutsche Steinkohle AG, die hier noch drei, vier Jahre Kohle transportieren will. 

Völklingen/Großrosseln. Zwar rollen keine Kohle-Züge mehr vom Karlsbrunner Gelände des Bergwerks Saar in Richtung Fürstenhausen die Anlage Warndt  / Luisenthal des Bergwerks hat bekanntlich die Förderung eingestellt. Trotzdem wird es in den nächsten drei, vier Jahren noch Bahnbetrieb geben auf den Gleisen der Rosseltal-Strecke, wenigstens auf dem Teilstück zwischen Velsen und Fürstenhausen.

Denn die Deutsche Steinkohle AG (DSK) möchte die Schiene nutzen, um ihre in Velsen lagernden Rest-Vorräte an Warndtkohle - nach Auskunft von DSK-Sprecherin Annette Weinmann rund 300000 Tonnen - zu den Abnehmern zu bringen, zu Stahl- und Kraftwerken.
Und dazu will sie die Gleisstrecke pachten.

Rückblende: Im November, als sich das Ende der Kohle-Transporte vom Bergwerk aus absehen ließ, hatte die Eigentümerin, die Deutschen Bahn (DB) Netz AG, die 12,5 Kilometer lange Rosseltal-Strecke im Internet ausgeschrieben zum Verkauf oder zur Verpachtung. Gesucht: Interessenten, die auf der Strecke öffentlichen Bahnbetrieb weiterführen wollten. Pferdefuß dabei: Nach den für öffentlichen Bahnbetrieb gültigen Sicherheits-Bestimmungen der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung des Bundes, denen auch die DB selbst verpflichtet ist, hätte ein neuer Betreiber in den kommenden Jahren mehrere Millionen Euro investieren müssen in die Sanierung der Strecke. Dennoch meldeten sich vier Interessenten (wir berichteten). Ihre Verhandlungen mit der DB blieben jedoch erfolglos, wie DB-Pressesprecher Hartmut Lange auf SZ-Nachfrage mittteilte. Die DB will nun das Eisenbahnbundesamt bitten, die Strecke offiziell stilllzulegen. Das bedeutet das Ende öffentlichen Bahnverkehrs dort. Es ist zugleich Voraussetzung dafür, dass die Strecke als so genannte Saarland-Besitzer Anschlussbahn, also in privater Regie, betrieben werden kann - eben werden das hat die DSK vor. Sie benötigt für ihre Zwecke nur das Teilstück von Velsen nach Fürstenhausen. Es sei noch offen, sagt Weinmann, was aus der Rest-Strecke nach Karlsbrunn werde, ob man sie womöglich mitpachten müsse. Klar aber ist bereits, dass maximal zwei Züge täglich rollen können. Natürlich auch weniger, gefahren wird  nach Bedarf. Im Rangierbetrieb, also mit höchstens 25  Stundenkilometern; Zugbetrieb, bei dem es schneller gehen darf, würde höhere Ansprüche an die Strecke stellen, für deren Betriebstüchtigkeit und Verkehrssicherheit dann die DSK zu sorgen hat. Und hier plant die DSK keine Investitionen. Mit einer Ausnahme: Die Oberleitungen seien einerseits sanierungs-bedürftig, sagt Weinmann, andererseits störend beim Beladen der Züge. Daher will die DSK sie zum großen Teil abbauen.

Für die Diesel-Lokomotiven, die die Kohle-Transporte ziehen sollen, würden sie ohnehin nicht gebraucht.

Meinung

Aufschub nährt die Hoffnung
Von SZ-Redakteurin
Doris Döpke

Stilllegung: ja; für öffentlichen Bahnbetrieb auf der Rosseltal-Strecke gibt es vorerst keine Zukunft. Das ist bedauerlich, überrascht aber nicht. Scheint es doch sehr fraglich, ob man diese Bahntrasse derzeit auf rentable Art nutzen könnte. Gleise abbauen: nein; denn die Schienen werden noch drei, vier Jahre benötigt, so lange, bis die Deutsche Steinkohle AG ihr Velsener Kohle-Lager leer geräumt hat. Finde ich gut, das.  Das ist eine gute Nachricht für Freunde und Verteidiger der Rosseltal-Bahnstrecke. Denn es bedeutet Aufschub - wenn sich in absehbarer Zeit Investoren finden, die die Karlsbrunner Tagesanlage des Bergwerks Warndt/Luisenthal wirtschaftlich neu beleben, dann ließe sich auch über Schienen-Transporte nachdenken. Wenn. Falls.  Vielleicht.

Doch Hoffnung darf und muss sein.



Foto: Becker & Bredel



SZ 30.07.2011, SZ/VK/

Draisinen-Verein lädt ein zum „Runden Tisch“

Nöte mit der Schienentrasse im Warndt: Wird sie künftig noch zur Verfügung stehen?

Großrosseln. Der Verein zur Förderung des Warndt-Tourismus (VFWT) – er veranstaltet seit 2007 Draisinenfahrten auf den Schienen der früheren Warndt-Rosseltalbahn – hat ein Problem: Die Aktiven wissen nicht, wie es mit der Bahnstrecke weitergeht. In den ersten Jahren des Draisinenbetriebs hatte ihnen die Eigentümerin, die DB Netz AG, gestattet, an Wochenenden und Feiertagen die Trasse fürs Draisinen-Freizeitvergnügen zu nutzen. Jetzt haben sie die Erlaubnis dazu von der Firma Wincanton Rail erhalten, die die Bahnstrecke gepachtet hat, mit Blick auf die geplanten französischen Kohleschlammtransporte. Doch die Zukunft des Schlammtransport-Projekts ist ungewiss, seit die saarländische Umweltministerin eine dafür nötige Genehmigung aufgehoben hat (wir haben berichtet) – und damit ist auch unklar, ob und wie die Bahntrasse künftig für die Draisinenfahrten zur Verfügung stehen wird.

Um diese Frage zu diskutieren, lädt nun VFWT-Vorsitzender Harald Zimmermann (Foto: dd) ein zu einem „Runden Tisch“. Das Treffen findet statt am Donnerstag, 18. August, 18 Uhr, im Glas- und Heimatmuseum Ludweiler (Am Bürgermeisteramt 5). Eingeladen sind Kommunalpolitiker aus Völklingen, Großrosseln und dem Regionalverband, die Lokale Aktionsgemeinschaft (LAG) Warndt und Wirtschafts-Vertreter, die direkt und indirekt mit der Rosseltalbahn zu tun haben. Und auch Verkehrs-Fachleute – denn nicht nur um die Draisinen soll es gehen, sondern auch um schienengebundenen Personennahverkehr und Tourismus in der Region. Außerdem steht die Diskussionsrunde allen Interessierten offen. dd

L E S E R BR IE F
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R O S S E LTA L B A H N
Wo bleibt die „Vorrangpolitik“?
Zum Artikel „Viele Köche, aber kein Rezept“ und anderen (SZ vom 26. August)
In der Zeitung wurde über das Erlebnisbergwerk Velsen berich
tet, verbunden mit einer Lageskizze. Darin fehlt die Bahnlinie nach Karlsbrunn, welche für die Tourismusentwicklung im Warndt ebenfalls eine Rolle spielen könnte. Die Rosseltal-Strecke wird derzeit für Draisinenfahrten genutzt.

FOTO: BECKER & BREDEL

Diese Bahnstrecke ist nach der Nichtgenehmigung der Kohleschlammtransporte existentiell gefährdet. Sie wurde bisher für Draisinenfahrten genutzt. Die Interessen-gemeischaft Warndt- und Rosseltalbahn (IGWRB) wollte über diese Nutzung sowie die Tourismusentwicklung ins- besondere mit Vertretern der zuständigen Ministerien sprechen und hatte zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Die eingeladenen Vertreter des Landes und des Regionalverbandes reagierten meiner Kenntnis nach nicht auf die ausgesprochenen Einladungen. Nicht nur nach meinem Empfinden ist es ein Gebot der Höflichkeit, eine explizit ausgesprochene Einladung zu erwidern.
Im Koalitionsvertrag der saarländischen Regierung ist die „ÖPNV-Vorrangpolitik“ genannt; es soll ein „Masterplan Mobilität“ erstellt, die Reaktivierung stillgelegter Schienenstrecken überprüft werden. Man hätte aufgrund der Koalitionsaussagen
eine Aussage des Verkehrsministeriums zur Zukunft der Warndt- und Rosseltalbahn erwarten können. Leider war das nicht der Fall. Weder in den Gutachten zur Lärmreduzierung im Bereich Völklingen noch zu der Verkehrssituation in Geislautern findet die existierende Bahnstrecke Beachtung. Sie ist auch für die Gutachter faktisch nicht vorhanden. Über dieses brachliegende Potential wird nicht berichtet. Der Koalitionsvertrag hat anscheinend keine Geltung für die saarländische Verkehrspolitik.
Konrad Kunz, Blieskastel
SZ 2.9.2011
























 




Völklingen

Linke will die Rosseltalbahn zum Museumszug machen
red,  12. Juli 2016, 02:00 Uhr  
 

Die Linken-Fraktion in der Regionalversammlung will die Rosseltalbahn retten. Sie schlägt vor, die Bahn als eine Art Museumsbahn zwischen dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte, dem Erlebnisbergwerk Velsen und dem Bergbaumuseum La Mine in Petite Rosselle fahren zu lassen. DerRegionalverband solle sich beim Land dafür einsetzen, dass die Museenbahn als Touristenbahn mit historischen Dieseltriebwagen eingerichtet werde, und solle im Rahmen der zu erweiternden Tourismusstrategie selbst Geld zuschießen. Für die Linke wäre diese Nutzung eine Art Lebensversicherung für die brachliegende Rosseltalstrecke.



Saarbrücker Zeitung, 04.01.2006

OB besteht auf Haltepunkt Luisenthal

Schlechte Aussichten für die Rosseltal-Bahnstrecke

Deutsche Steinkohle AG lässt noch Kohlezüge fahren Völklinger Verwaltungschef will Angebot mit mehr normalen Züge nach Saarbahn-Stopp nur als Zwischenlösung akzeptieren

Der vorläufige Stopp des Saarbahn-Baus nach Völklingen bewegt die Gemüter. Oberbürgermeister Klaus Lorig betonte gestern, die Saarbahn sei für die Stadt unverzichtbar. Die Saarbahn auf der Rosseltal-Bahnstrecke, mit Anbindung ans lothringische Schienennetz: Davon träumen Bahn-Freunde im Warndt. Doch es gibt kaum Chancen, dass dieser Traum wahr wird.  

von sz-redakteur bernhard geber
Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Völklingen. Die Landesregierung hat entschieden, die Saarbahnstrecke von Saarbrücken bis Völklingen auf unbestimmte Zeit zurückzustellen. Als Ausgleich soll ab Ende 2007 ein Zug im 30-Minuten-Takt zwischen Völklingen und Saarbrücken verkehren (die SZ berichtete). Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) will diese Entscheidung allenfalls als Zwischenlösung hinnehmen, wie er gestern in einem SZ-Gespräch unterstrich. In einem Brief an Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi betonte der Völklinger Verwaltungschef gestern bereits, dass er auf jeden Fall auf einem Haltepunkt in Luisenthal bestehe.

Dieser Haltepunkt, so Lorig, sei dringend notwendig, um das brachfallende Gelände der Deutschen Steinkohle AG (DSK) zu entwickeln. Zusammen mit der geplanten Umgehungsstraße und den großzügigen Gruben-Parkplätzen biete sich Luisenthal als Umsteiger-Bahnhof an. Wenn man die Wirtschaftlichkeit von Luisenthal berechnen wolle, sei die Überlegung mit einzubeziehen, dass der IT-Park im Saarbrücker Stadtteil Burbach nur deshalb entstanden sei, weil man ihn bewusst entwickelt habe.

Laut Lorig hat die im Koalitionsvertrag auf Bundesebene festgehaltene Absicht, die Zuschüsse für den öffentlichen Personennahverkehr zu kürzen, auf das Saarbahn-Projekt durchgeschlagen. Die Landesregierung habe deshalb entschieden, sich auf Strecken zu konzentrieren, die bereits im Ausbau seien. Die Saarbahn bleibe dennoch für Völklingen unverzichtbar. Völklingen betrachte seinen Bahnhof als Weltkulturerbe-Bahnhof, und die Saarbahn spiele im Umstrukturierungsprozess für die Stadt eine große Rolle. Lorig: „Eine Verschiebung dieses Projektes ins zweite Jahrzehnt dieses Jahrtausends wäre sehr negativ.“

Hans Agostini, Vorsitzender des Völklinger Wirtschaftskreises, äußerte gestern sein Bedauern, dass das Projekt auf Eis gelegt worden sei. Die Saarbahn-Verbindung von Völklingen in andere Städte sei eine wichtige Trasse, die mit Priorität zu sehen sei. Für Gewerbetreibende sei es wesentlich, den Kunden auch von den Verkehrsanbindungen her die Möglichkeit der freien Entscheidung zu schaffen. Völklingen setze mit auf Kundschaft, die sonst nach Saarbrücken oder Saarlouis fahre.

Gisela Rink, Völklinger Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, erfuhr die Nachricht vom Saarbahn-Stopp gestern durch einen SZ-Anruf während ihres Winterurlaubs im Allgäu. Rink sagte in einer ersten Stellungnahme: „Mir ist wichtig, dass die Leute gut von Völklingen nach Saarbrücken kommen – regelmäßig, zuverlässig und kostengünstig.“

Manfred Baldauf, FDP-Landtagsabgeordneter aus Völklingen, sagte, seine Fraktion werde dieses Thema im Landtag zur Sprache bringen: „Es geht in die Richtung eines Skandals.“ Völklingen und kleinere Stadtteile würden „erneut abgehängt und benachteiligt“. Es sei völlig falsch, „die Prioritäten nur in Richtung Lebach zu setzen“. Unverständlich sei auch, warum der bessere Bahn-Takt bis Völklingen erst 2007 kommen solle. „Die Saarbahn muss nach Völklingen, und damit basta“, sagte Erik Kuhn, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion. Alles andere bedeute einen weiteren Rückschlag für die Stadt. Das jetzige Umschwenken sei ein Beweis dafür, wie wenig man seitens des Landes wirklich bereit sei, Völklingen unter die Arme zu greifen.

Schon im Juli vorigen Jahres hatten die Völklinger Grünen dafür plädiert, das normale Bahn-Angebot zu verbessern, anstatt auf die Saarbahn zu setzen. Ihr Sprecher Manfred Jost sagte nun: „Was mir missfällt, ist, dass man sich mit der Einführung des Halb-Stunden-Taktes zwei Jahre Zeit lassen will. Der muss spätestens im Sommer stehen.“ Völklingen/Großrosseln. Nicht nur Völklinger, sondern auch Großrosseler Hoffnungen richten sich auf die Saarbahn. Die Überlegung: Zwischen der Rosseltal-Bahnstrecke und dem lothringischen Bahnnetz fehlen nur wenige Gleis- und Oberleitungskilometer. Erhielte man die Bahn-Anlagen beidseits der Grenze und schlösse die kurze Lücke, dann wäre der bisher schlecht ans Verkehrsnetz angebundene Warndt – grenzüberschreitend – über Schienenwege erschlossen. Und ein schnelles, attraktives Verkehrsmittel wie die Saarbahn gäbe dem Warndt für Zuzügler wie für Ausflügler größere Anziehungskraft.

Doch die Chancen, dass im Warndt Saarbahn-Träume in Erfüllung gehen, stehen nicht gut. Die Deutsche Steinkohle AG (DSK), mit Kohle-Zügen vom Bergwerk Warndt nach Fürstenhausen bisher (fast) einzige Nutzerin der Rossel-Strecke, hat ihren Vertrag mit der Deutschen Bahn (DB) zum Jahreswechsel gekündigt – das teilte Gregor Zewe von der DSK-Pressestelle gestern auf SZ-Anfrage mit. Auf dem Bergwerksgelände lagere derzeit nur noch ein Kohle-Rest von 10000 bis 20000 Tonnen. Den könne man notfalls auch über die Straße abtransportieren. Die DSK gehe aber davon aus, dass das von der DB eingeleitete Stilllegungsverfahren noch mindestens bis zur Jahresmitte dauern werde; bis dahin bleibe die Strecke betriebsbereit, so dass die DSK eventuell auch noch Kohle-Züge einsetzen könne.

Zum Thema Strecken-Stilllegungen erklärt Hartmut Lange von der DB-Pressestelle, dass hier ein Standard-Verfahren gelte; das Eisenbahnbundesamt müsse jede Stilllegung genehmigen. Zuvor sei das Land als Träger des Regionalverkehrs gefragt: Wolle es eine Strecke erhalten, könne es sie von der DB übernehmen und einen Betreiber dafür suchen. Im Warndt ist aber keine Intervention des Landes geplant. Ja, es habe schon mal eine Studie gegeben über grenzüberschreitenden Ring-Verkehr auf der Rossel-Strecke, sagt Christoph Britz von der Pressestelle des Wirtschaftsministeriums. Doch Verkehrs-Fachleute schätzten das Potenzial dieser Route als gering ein, „das hat keine sehr hohe Priorität“. Also „sieht es nicht so aus, als würde dort in den nächsten zehn Jahren eine Saarbahn fahren“. „Diese Entscheidunggeht in die Richtungeines Skandals.“   Manfred Baldauf, FDP

Meinung

Völklingen als Verlierer?

von sz-redakteur  Bernhard geber



Zunächst sollte die Saarbahn 2007 in Völklingen einlaufen. Dann wurde wegen angeblich gravierender Grubenschäden an der Bahnstrecke durchs Saartal der Termin auf 2009 verschoben. Und nun heißt es sogar: auf unbestimmte Zeit. Wobei die Verantwortlichen die Schuld der unsicheren Lage nach dem Koalitionsvertrag in Berlin zuschieben. Doch das Vertrauen ist auf jeden Fall geschädigt.

Die Saarbahn ist für Saarbrücken zu einer einzigen Erfolgs-Story geworden. Gleichzeitig haben die Völklinger für ihre Stadtentwicklung schon munter mit der Saarbahn geplant. Der Alte Bahnhof sollte sich zum Weltkulturerbe-Bahnhof entwickeln. Eine Haltestelle nahe des Stadtkerns sollte zusätzliche Belebung bringen. Und Luisenthal sollte nach der Grubenschließung neue Impulse durch einen Saarbahn-Haltepunkt erhalten.

Die Landesregierung verspricht nun als Ausgleich Zusatz-Züge. Doch die Frage ist berechtigt, warum diese Verbesserung erst Ende 2007 kommen soll. Zudem braucht Luisenthal möglichst schnell seinen Haltepunkt, wenn das frühere Grubengelände zukunftsweisend entwickelt werden soll.  Die Landesregierung verspricht nun als Ausgleich Zusatz-Züge. Doch die Frage ist berechtigt, warum diese Verbesserung erst Ende 2007 kommen soll. Zudem braucht Luisenthal möglichst schnell seinen Haltepunkt, wenn das frühere Grubengelände zukunftsweisend entwickelt werden soll.


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